Angefangen hat das Ganze mit einer harmlosen Fahrt nach Ludwigsburg und einem Besuch des dortigen
Modemuseums. Die Rokoko-Kleider begeisterten mich. So etwas wollte ich unbedingt auch haben.
Also informierte ich mich im Internet darüber und landete schließlich auf der Seite von
marquise.de Dort durfte ich dann erfahren, dass es nicht damit getan war ein Kleid zu nähen, sondern
dass auch noch die richtige "Unterwäsche" gebraucht wird. So verschob ich also mein Vorhaben und fing an mir
eine Chemise, Poschen und ein Korsett zu nähen :-(
Wochen später war es dann endlich so weit, ich war fertig und auf der Suche nach einem passenden
Stoff. Seide wurde da vorgeschlagen, hmm zehn Meter Seide für ein Kleid, von dem ich noch keine Ahnung
hatte, ob es mir überhaupt gelingen würde?... Außerdem ist Seide eh nicht so mein Ding, ob ich mich darin
überhaupt wohlfühle? Ein Ausflug auf Schloß Solitude zeigte mir zumindest, dass es zu der Zeit
in meiner Region sehr wohl bedruckte Baumwolle gab, denn dort ist ein ganzes Zimmer damit ausgekleidet. Ich entschied mich
also für Baumwolle, bloß welches Muster könnte passen? Fündig wurde ich wiederum in Ludwigsburg
diesmal bei Ikea.
Alvine Satin gabs dort als Bettwäsche und als Vorhang, leider nicht als Meterware. Da schlug ich
eher bei Bomull zu :-). Da die Bettwäsche günstiger war bei der Stoffmenge, die ich brauchte, kaufte
ich 2 Garnituren. Zu Hause angekommen, zerlegte ich die Bettwäsche und fing an den Schnitt, den ich
inzwischen vergrößert hatte draufzulegen und auszuschneiden. Leider habe ich davon keine Fotos, da
mir die Idee das Ganze zu dokumentieren erst später kam. Nach dem Zuschneiden, nähte ich erst einmal
die beiden Rückenteile zusammen, denn der Stoff war zu schmal um dies aus einem Stück zu machen. Hier
fiel auch die Entscheidung das Kleid nicht 100%ig authentisch zu machen. Zwei Meter von Hand zu nähen
war mir dann doch zu viel. Ich wollte die "Handnäherrei" auf ein nötiges Maß beschränken. Jetzt bekam ich erstmals
ein Gefühl dafür, welche Stoffmengen da verarbeitet werden...
Doch vor dem Drappieren des Kleides hatten die Götter, oder in diesem Fall marquise.de das
Futter gesetzt. Also schnitt ich dieses aus altem Bauernleinen, das ich einmal erstanden hatte, zu, passte
es an, nähte es zusammen und brachte die Tunnel für das Plastikfischbein und die Bänder zum Schnüren an.
Sorry für die teilweise schlechte Bildqualität, aber mir fällt das Fotografieren meist erst ein,
wenns draußen schon zu dunkel ist...
Alle Bilder sind durch anklicken vergrößerbar
Nun endlich konnte ich loslegen. Als erstes quälte ich mich mit den Rückenfalten rum. Fünf mal reicht bestimmt nicht,
wo ich sie wieder aufgemacht habe, weil mir ihr Fall nicht gefiel oder weil ich bei der Schemazeichung
plötzlich nicht mehr wusste, wo vorne und hinten ist :-). Schließlich gelang es mir irgendwie die
Stoffmassen zu bändigen.
Weiter gings mit den Vorderteilen, also Seiten- und Schulternaht. Hier hatte ich tonnenweise Stoff unter zu bringen,
besonders an der Schulter hatte ich zu viel Nahtzugabe, so dass ich fast nicht mehr durchblickte, aber irgendwie schaffte ich es dann
doch durch Abschneiden, enger stecken ect. die Sache zu bändigen. Ein größeres Problem hatte ich dann noch mit der Symmetrie. Ein großes und ein kleines Armloch
, eine breite und eine schmale Schulter, oh man, das war ein "Gepfriemel" :-)
Als nächstes kamen die Seitenfalten. Ich hatte offensichtlich beim "Watteau-Falten-Legen" nix gelernt, denn dafür brauchte
ich mindestens genau so viele Anläufe und da ich ja gleich zwei Seiten hatte, alles mal zwei :-). Als ich sie
endlich halbwegs hatte, hatte ich innen ein derartiges "Gewurstel", das zu allem Unglück auch noch herunterbaumelte,
dass ich es kurzerhand annähte, was wohl nicht so ganz authentisch ist, mir aber als einzige Möglichkeit einfiel.
Dann gings an Ärmelzuschneiden. Ich bin "Burda-Ärmel" gewöhnt und wusste bei dem Teil zuerst nicht so
recht, wo vorne und wo hinten ist :-)
Schaffte es dann aber doch irgendwie sie einzunähen.
Dann kam das Zuschneiden und Annähen der Volants, da hatte ich ein ähnliches Problem, wie gehören die Teile zusammen? Ich habe es jetzt
einfach mal so gemacht, aber keine Ahnung, ob das richtig ist...
Irgendwie musste jetzt noch hinten was über die Watteaufalten...
So, den für mich schwersten Teil hatte ich nun hinter mir. Jetzt fehlte noch der Stecker. Da
ich kein so großen Vertrauen in Stecknadeln habe und nicht weiß, ob ich das alleine so hinbekomme
dass das nachher halbwegs symmetrisch aussieht, entschloß ich mich dazu eine Compères zu machen. Versteift habe ich diese
nicht ganz stilecht mit aufnähbaren, öhm keine Ahnung wie die Dinger heißen, Miederband?
Jetzt kamen die Knopflöcher, diesmal von Hand. Leider hatte ich nur noch rote Knopflochseide und es war mal wieder Sonntag :-). Aber so wie ich
es mir vorstellte, sollte man die Knopflöcher nachher sowieso nicht zu Gesicht bekommen.
Die zweite Seite schrie nach Knöpfen und so überzog ich hässliche gelbe Plastikknöpfe und nähte sie an.
Danach gings ans "Verzieren" Teil 1
Und der Stecker wurde eingebaut
Jetzt noch der Saum (ca. 5 km Handarbeit) und der "Rohbau" war fertig
Nun kam "Verzieren" Teil 2
Da ich noch von der Borte übrig hatte, entschied ich mich dazu, die Ärmelvolants auch noch damit zu verzieren.
Endlich war der Manteau fertig und es fehlte nur noch die Jupe und der Unterrock...
Uff, geschafft, ca. ein Monat danach :-)